Rede Lars Feb 26

BETRIEBSVERSAMMLUNG

2/27/2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vorweg: Beim Projekt GBR haben wir einen Fehler gemacht. Dafür entschuldige ich mich hier öffentlich. Das ist in der Hektik des Wahlwerbezeitraums passiert – und es war alles, aber kein Täuschungsversuch.

Was ich aber auch klar sagen will: Die Zusammenarbeit mit Perspektive und CGM funktioniert bei allen Themen sachlich und konstruktiv – nicht immer einer Meinung, aber immer bereit zum Kompromiss.

Mit der Mehrheitsgruppierung war das in den letzten vier Jahren wegen ihrer eigenen Blockadehaltung leider nicht möglich.

Und genau daran sieht man auch, wie unterschiedlich mit der Verantwortung, die ihr uns übertragen habt, umgegangen wird. Denn in den vergangenen Jahren sind einige Dinge passiert, die auch mal eine Entschuldigung wert gewesen wären. Nur mal ein paar Schlagworte:

Betriebsübergang – „alles bleibt, wie es ist“.

Abspaltung vom Pkw.

Diskussionen um die Ergebnisbeteiligung.

Fehleinschätzung des Kartellrechts.

Keine Rabatte mehr bei Mercedes-Niederlassungen.

Hier in unserem Firmenfuhrpark mittlerweile Fremdfabrikate.

Das sind nur einige Beispiele. Aber meine einfache Frage ist: Wo war dafür die öffentliche Entschuldigung?

Ich habe keine gehört.

Und während wir uns hier versammeln, wissen sechs Kollegen bereits, dass sie ab der kommenden Woche nicht mehr Teil dieses Unternehmens sein werden.

Dann werden wir sechs Arbeitskollegen weniger haben, mit denen wir die letzten fünf Jahre zusammengearbeitet haben.

Fünf Jahre im Unternehmen – eingestellt mitten in der Corona-Zeit – und jetzt wegen ihres Krankheitsverlaufs raus.

Auf der anderen Seite werden wir in den nächsten Monaten bis zu 150 neue Leiharbeiter bei uns beschäftigen. Die ersten Kollegen sind bereits da – und diese möchte ich ausdrücklich begrüßen.

Aber leider muss ich auch eine Warnung an alle prekär Beschäftigten aussprechen.

Denn diese sechs Kollegen werden geopfert – und es werden wohl auch noch einige folgen.

Das Unternehmen hat damit deutlich klargemacht, dass die krankheitsbedingten Abwesenheiten – insbesondere bei prekären Arbeitsverhältnissen – wieder auf einen Vor-Corona-Stand gebracht werden müssen.

Jeder hier, der schon zehn oder fünfzehn Jahre im Betrieb ist, weiß genau, was ich damit meine.

Krankheit soll idealerweise mit Urlaub oder Freischicht „auskuriert“ werden. Denn das war der Vor-Corona-Stand für diese befristeten oder überlassenen Kollegen.

Es hätte definitiv die Möglichkeit gegeben, diesen Kollegen noch einmal eine weitere Befristung zu geben – einen Warnschuss, ein letztes Signal, dass sich etwas ändern muss.

Aber die Standortleitung möchte offensichtlich ein unmissverständliches Zeichen setzen.

Darüber will keiner sprechen – auch nicht unsere BR-Spitze.

Ganz im Gegenteil: Wenn man solche Themen im Betriebsrat anspricht, bekommt man keine offenen Ohren, sondern muss damit rechnen, noch verhöhnt zu werden.

So geht man nicht mit Menschen um.

Wir reden hier von Interessenvertretung.

Von Verantwortung.

Und von Respekt.

Kommen wir zum Wahlzeitraum.

Von der Standortleitung wurden einseitig sogenannte Werbeleitplanken zur Betriebsratswahl ausgerufen – verbunden mit dem Versuch, den Zeitraum für Werbeaktivitäten erheblich einzuschränken.

Gleichzeitig hieß es, der E-Mail-Verteiler an alle E-Mail-Postfächer hier im Werk sei technisch nicht mehr möglich. Und mit dem Aufhängen von Plakaten sollten wir erst noch die Anweisungen der Standortleitung abwarten. Das hat mit einem freien Wahlgeschehen nur sehr wenig zu tun.

Aber während wir Minderheitsgruppierungen das mit der Standortleitung klären mussten, kam von der IG Metall dazu: nichts. Kein Widerspruch, kein Aufbegehren, keine Reaktion.

Das hinterlässt zumindest ein gewisses Geschmäckle.

Und wenn dann zeitliche Zusammenhänge – etwa die Liefertermine der Drucksachen der IG-Metall-Gruppierung und das fast zeitgleiche Aufheben der Leitplanken – so eng beieinanderliegen, dann wirkt das zumindest nicht zufällig.

Dass wir Minderheitsgruppierungen in den letzten vier Jahren systematisch von Informationen abgeschnitten wurden, ist euch bekannt.

Aber ich kann euch sagen: Auch innerhalb der Mehrheitsgruppierung werden Informationen nicht einheitlich und gleichmäßig auf alle Mandate verteilt. Das betrifft also nicht nur uns, sondern – mit Ausnahme einiger weniger Akteure – das gesamte Gremium.

Und eines könnt ihr mir glauben: Zwischen Betriebsratsvorsitz und Standortleitung werden Dinge vorab abgestimmt, für die es eigentlich eine offene Diskussion und teilweise auch einen Beschluss im gesamten Gremium gebraucht hätte. Einzelne Funktionäre der Mehrheitsgruppierung haben dadurch einen permanenten Wissensvorsprung. Für uns Minderheitengruppierungen bleibt dann am Ende oft nur noch, zuzustimmen, sich zu enthalten oder abzulehnen – aber nicht mehr, aktiv mitzugestalten.

Dazu kommen Entscheidungen, die für viele von uns nicht nachvollziehbar sind.

Ich erinnere nur an die im vergangenen Jahr angeordneten zwingenden Vorholschichten.

Und wenn Werkleitung und Betriebsratsvorsitzender sich gegenseitig Präsentkörbe schenken, dann entsteht bei vielen von uns der Eindruck von Nähe – und vor diesem Hintergrund bekommen solche Entscheidungen einen bitteren Beigeschmack

An alle, die glauben, wenn sie uns wählen, würden sie die IG Metall schwächen – das stimmt nicht.

Die IG Metall bleibt hier die stärkste Kraft. Die Mitgliederbasis liegt bei rund 80 Prozent.

Wenn ihr uns mehr Raum gebt, stärkt ihr nicht uns – ihr stärkt den Betriebsrat.

Und damit euch selbst.

Und dann reden wir endlich auf Augenhöhe.

Zum Schluss noch etwas Persönliches.

Auf der letzten Betriebsversammlung wurde mir hier öffentlich ein Datenschutzverstoß vorgeworfen. Es wurden rechtliche Konsequenzen angedeutet – und der Henschelfunk in den Tagen danach brachte Schlagworte wie Kündigung, Abmahnung, Gerichtsverfahren und Klage in Verbindung mit meiner Person in Umlauf.

Was ist seitdem passiert?

Nichts.

Nichts ist passiert.

Stattdessen hat man mir eine Social-Media-Richtlinie, als Leitlinie für Betriebsversammlungen empfohlen – Das wars auch schon. Die hier geäußerten Vorwürfe konnten nicht bestätigt werden….

Aber eines will ich noch sagen: Lieber Hauke – ich fand es richtig, dass du am Ende der Versammlung nochmal auf die Bühne gekommen bist und Stellung bezogen hast.

Und ich würde mir wünschen, dass das künftiger Standard wird.

Denn wer hier oben den Mut hat, einen Redebeitrag zu halten, verdient mehr als nur zuhören.

Er verdient eine Reaktion.

Er verdient Respekt.

Und Respekt beginnt nicht bei Präsentkörben.

Respekt beginnt bei Transparenz.

Danke.